Wenn man einen Test der Zivilisation sucht, kann niemand so sicher sein wie der Zustand der Hälfte der Gesellschaft, über die die andere Hälfte Macht hat.
(If a test of civilization be sought, none can be so sure as the condition of that half of society over which the other half has power.)
Dieses Zitat unterstreicht die tiefe Wahrheit, dass der wahre Maßstab für den Fortschritt einer Gesellschaft darin liegt, wie sie mit ihren am stärksten gefährdeten oder unterdrückten Mitgliedern umgeht. Wenn man das Gefüge einer Zivilisation untersucht, offenbaren gesellschaftliche Ungleichheiten oft die zugrunde liegenden Werte und Prioritäten. Historisch und auch heute dienen Unterschiede in Bezug auf Wohlstand, Rechte und Chancen als Indikatoren für die soziale Gesundheit. Wenn man den moralischen und ethischen Stand einer Gesellschaft beurteilen möchte, liefert die Beobachtung der Bedingungen derjenigen, die weniger haben – insbesondere in Bezug auf diejenigen, die Macht über sie haben – ein klares, eindeutiges Bild.
Die Hälfte der Gesellschaft, die unter der Kontrolle oder dem Einfluss eines anderen steht, verkörpert oft die vernachlässigten oder marginalisierten Segmente – seien es die Verarmten, die Unterdrückten oder die Entrechteten. Ihre Bedingungen können systemische Ungerechtigkeiten, Vorurteile und das Fehlen wirklich gerechter sozialer Strukturen aufdecken. Gesellschaften, die wirklich gerecht sind, neigen dazu, diese Gruppen zu fördern und zu stärken, indem sie eine faire Behandlung, Aufstiegschancen und die Anerkennung ihrer inhärenten Würde gewährleisten.
Wenn diese Gruppen hingegen Not, Ausbeutung oder Vernachlässigung erleiden, signalisiert dies ein Versagen der gesellschaftlichen Moral und Regierungsführung. Dies deutet darauf hin, dass die Zivilisation noch keinen echten Fortschritt erzielt hat, da oberflächliche Fortschritte wie technologische Innovationen oder materieller Reichtum wirkungslos bleiben, wenn grundlegende Menschenrechte missachtet werden. Daher erinnert uns das Zitat daran, dass Fortschritt mit Mitgefühl und Gerechtigkeit gemessen werden muss und das Wohlergehen aller Teile der Gesellschaft widerspiegelt, insbesondere der Schwächsten. Letztendlich ist soziale Gerechtigkeit der Spiegel, in dem sich die wahre Höflichkeit und Entwicklung einer Gesellschaft offenbart.
---Harriet Martineau---